Letztes Jahr hat uns als Familie der Einkochfimmel gepackt. Einkochen, wie….. retro? Altmodisch? Spießig? Fakt ist: selbst eingekochtes Obst und Gemüse ist im Winter fantastisch. Es riecht nach Sommer. Es schmeckt nach Sommer. Man hat den Zuckeranteil in der Hand, nichts schmeckt nach Wellblech. Und Weck-Gläser sind irgendwie schick. Nach einer großen Bestellung bei eben dieser Firma hatten wir bereits im Vorjahr Birnenkompott, Pfirsiche, Apfelmus, Bohnen sowie Pflaumen eingekocht. Und nun wieder jede Menge Gläser frei.
Als dann diesen Samstag auf dem Markt leckere Zwetschgen für 2 Euro das Kilo zu kaufen waren, wir eine 2,5 Kilo Steige Pfirsiche für 1,99 Euro gefunden hatten, und fast 4 Kilo Tomaten (Kilopreis 77 Cent) auf ihre Verarbeitung warteten, packte uns das Einweckfieber. Hier ein paar Einblicke aus unserer Einkochküche.
1. Im Ofen einkochen – schlechte Idee?
Nachdem sich unsere Vorräte auf fast 10 volle Gläser verteilen ließen, wollten wir platzsparend im Ofen einkochen. Bei 160 Grad solle man das Einkochgut – wenn es in den Gläsern anfängt zu perlen – ca. 20 Minuten einkochen. So weit, so gut. Zum Schutz der Gummiringe hatten wir ferner noch ein Glas Wasser in den Ofen gestellt- das hält die Luftfeuchtigkeit hoch, das Kautschuk geschmeidig. Hätten wir gewusst, dass außerdem ca. 1 Liter Pflaumen-Zucker-Sud aus den Gläsern ins Blech blubbert, hätten wir uns das vermutlich sparen können. Und: Nur nicht faul sein. Nach den 20 Minuten beherzt und behandschuht die Gläser aus dem heißen Ofen nehmen und draußen abkühlen lassen. Meine laxe “Mei, des lassen mer jetzt im Ofen abkühlen, erstmal spazieren und Kaffee trinken und überhaupt” Einstellung führte nämlich dazu, dass die Pflaumen völlig verkocht waren. Vom Putzaufwand ob des eingetrockneten Saftgeklebes ganz zu schweigen.
Die Strafe folgte heute auf dem Fuße: alle Pflaumengläser öffnen und aus den jämmerlichen Resten in einer halbstündigen, erneut sehr kleckerintensiven, Rühraktion Pflaumenmarmelade kochen. Wer sein Obst liebt….
2. Verarbeiten – am nächsten Tag?
Wir hatten Samstags viel vor, meine Schwester war zu Besuch, Flohmärkte wollten besucht, Kinder bespaßt werden. Denmnach hatten wir das Einkochen auf Sonntag verschoben (Sonntag! Heilig! Maria Himmelfahrt!). Darüber freuten sich dann vor allem die Fruchtfliegen, die in emsigen Scharen über meine Küche herfielen und sie seitdem nicht wieder verlassen haben. Man wartet augenscheinlich auf Nachschub.
3. Wieviel Zucker nochmal?
Letztes Jahr hatten wir ein ganz ausgewogenes Verhältnis von Zucker zu Obst gefunden. Nur wie war das nochmal? Bei Pfirsichen 2 EL auf ein 1/2 Literglas oder war das bei den Pflaumen? Tipp: “Laborbuch” führen und erfolgreich ausgeführte Rezepte aufnotieren. Wichtig für Scatterbrains wie mich.
4. Erfolge genießen
Als dann die stattlich Menge an Tomatensoße (das Rezept bekommt einen Extrapost), eingekochten Pfirsichen und ähm Vorstufe zu Pflaumenkonfitüre auf dem Tisch standen, überkam mich handwerklicher Stolz. Das hatten wir alles selber gemacht! Rauf auf den Dachboden, Bestandsliste angelegt – nun kann der Herbst kommen. Ach so? Der ist schon da? Na, dann mach ich mir jetzt mal ein Glas Pfirsiche auf…



