Archive for October, 2009

Warum eigentlich “moderne Speisekammer”?

Saturday, October 31st, 2009

1. Kindheitserinnerung
Ich habe an die Speisekammer meiner Kindheit nur gute Erinnerungen. Es war für mich ein beruhigendes Gefühl dort drinnen zu stehen, die Lebensmittel in den Regalen durchzusehen und zu wissen: fürs Essen ist gesorgt. Ich liebte es, die einzelnen Dosen Gemüse zu inspizieren, die Marmeladengläser umzusortieren, in den alten Kochbüchern meiner Mutter zu stöbern und zu überschlagen, wie lange man von dem Inhalt der Speisekammer wohl überleben konnte. Ich habe also eine persönlich Vorliebe für Speisekammern.

2. Ein Schatz an Vorräten
“Das Entscheidende in der Vorratswirtschaft ist, daß wir nicht nur Vorräte auf Lager haben, sondern daß wir sie mit möglichst geringen Verlusten erhalten und jederzeit verwerten können. Dazu ist erforderlich, daß nicht die nächstbeste Rumpelkammer, sondern ein luftiger sauberer Raum der Vorratshaltung dienen.” So Hedwig Maria Stuber im Standardwerk “Ich helf dir kochen” von 1955. Mein Blog soll, ähnlich einer Speisekammer, gefüllt werden mit einem Vorrat an Wissen, von dem sich die Leser bedienen können. Ich werde versuchen, die Einträge luftig zu halten und das Projekt nicht zu einer Rumpelkammer verkommen zu lassen…

3. Und warum modern?
Das Wörtchen “modern” ist entlehnt meinem Lieblingsratgeber der guten, alten Wirtschaftswunderzeit, dem “Goldenen Buch der Frau. Ein Buch der modernen Lebensführung.” Das Wörtchen “modern” wird in Ratgebern der 50er gerne und viel benutzt, wohl in Abgrenzung zur vorherigen dunklen, unmodernen Weltkriegs-Zeit, über die keiner reden wollte, die aber manchmal ihren Eingang fand in dem etwas feldmännischen Ton der Ratgeber-Damen. (“So aber nicht, junge Frau!”). Nun, deutsche Piefigkeit hin und Hausfrauen-Idylle her, in vielen der Ratgeber stehen tatsächlich interessante Tipps (dort zärtlich “Wink” genannt), die einem heute helfen können, wieder verantwortungsbewusster zu haushalten. “Die Grundlage für eine gute gleichmäßig Ernährung legt die Hausfrau [Hausmann] durch planmäßiges Wirtschaften.” In diesem Sinne.

4. Zum weiterlesen
Das Goldene Buch der Frau ist antiquarisch zu erhalten. Zum Beispiel hier oder hier. Das Buch “Ich helf dir kochen” von Hedwig Maria Stuber wird immer noch aufgelegt. Meine Zitate sind dem Reprint der Ausgabe von 1955 entnommen, die 2004 in der BLV Verlagsgesellschaft erschien.

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Besser Essen im Selbstversuch

Saturday, October 31st, 2009

Als ich kürzlich las, dass in Großbritannien von Privathaushalten jährlich bis zu 6.7 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden, wurde mir ein bißchen mulmig. Als ich las, dass darunter TÄGLICH eine halbe Millionen Eier sind, wurde mir schlecht. Vor schlechtem Gewissen. Wie oft hatte ich schon einen ollen Leib Brot, Eier jenseits des Verfallsdatums oder gammeliges Obst weggeworfen. Für mich selber sah das ja immer wenig aus, aber wenn sich das zu so einer Gesamtmasse auswächst, wird es unangenehm. Mit welchem Selbstverständnis verschwendet man hier wertvolle Ressourcen? Kostet ja nix. Also, fast nix.

Mich hat interessiert, ob es für Deutschland vergleichbare Zahlen gibt. Auf meine Anfrage beim Bundesministerium für Verbraucherschutz kam eine Woche später die nüchterne Antwort: “Nach den hier vorliegenden Information gibt es in Deutschland keine statistischen Erhebungen zu der von Ihnen aufgeworfenen Fragestellung”. Gut, aber wie gesagt, man hat es ja selber oft genug getan. Olle Kartoffeln, weg damit. Olles Brot, ab inne Tonne. Oh Mann, langsam drehte sich mir der Magen um. Man kann es sich ja fast ausrechnen. Vor dem Hintergrund von immer höheren Nahrungsmittelpreisen in vor allem den ärmeren Ländern der Welt, und den Gedanken an “Nachhaltigkeit” (was immer man darunter verstehen mag, für mich eher so ein Gefühl) kam ich mir langsam schäbig und arrogant vor. Seit mein Sohn auf der Welt ist, liegt mir auch plötzlich viel mehr dem Konzept ZUKUNFT. Außerdem war mir nach Jahren von Singlehaushalterei, zwischen Bus und Bahn nen Döner und Tütensuppen nach besser Essen. Also beschloß ich, mich näher mit dem Thema Lebensmittel, Lebensmittelproduktion, Resteverwertung, Vorratshaltung, Einkaufsplanung, Bio vs. Konventioneller Anbau, Massentierhaltung, lokale Produkte, saisonale Produkte etc.pp. zu beschäftigen. Und das Haushalten im Selbstversuch zu erlernen.

Meine Erfahrungen will ich gerne teilen. Daher wird es hier in Zukunft geben: Tipps zum Einkauf. Tipps zur Vorratshaltung. Leckere Rezepte. Resteverwertung. Vergessene Lebensmittel. Gelegentlich mal ein Glossar. Und hoffentlich viele schöne Fotos (Food-Fotografie …. oh mei).

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